Herzlich willkommen auf den Seiten von Ralf Stegner - Landesvorsitzender der SPD Schleswig-Holstein


Gute Schule für alle

Jedes Kind muss unabhängig von seiner ethnischen oder sozialen Herkunft gleiche Chancen für seine persönliche Entfaltung und beruflichen Lebensperspektiven haben. Das Recht auf gute Bildung für alle wird nur durch ein inklusives, alle einschließendes Bildungssystem erfüllt, in dem die individuelle Förderung das Leitprinzip ist. Die Weichenstellungen für längeres gemeinsames Lernen sind im 2007 verabschiedeten Schulgesetz gestellt. Der grundlegende Wandel der Schullandschaft mit ihren rund 1.000 Schulen ist auf den Weg gebracht und diesen gilt es weiterzuführen. CDU und FDP dürfen keine Chance bekommen, diese gute Entwicklung wieder in das alte Drei-Klassen-Schulsystem zurück zu drehen. Unsere SPD-Schulreform war erfolgreich. Fast 100 neue Gemeinschaftsschulen sprechen für das große Interesse der Eltern und Kinder an dieser neuen Schulform. Wir gehen davon aus, dass sich unsere Vision von einer Schule für alle durchsetzen wird. Für die kommenden fünf Jahre gelten für uns folgende Leitlinien:

Weiterentwicklung des Schulsystems

Grundschulen sind für uns das Fundament der schulischen Bildung. Vor dem Hintergrund rückläufiger Schülerzahlen wollen wir ein möglichst wohnortnahes Schulangebot mit hoher Unterrichtsversorgung und -qualität und Verlässlichkeit sichern. Gemeinsam mit den Schulträgern werden wir die notwendigen schulorganisatorischen Anpassungen vornehmen. Dabei ist uns der Erhalt unserer Bildungsinfrastruktur im ländlichen Raum sehr wichtig. Grundschulen sind ein zentraler Anlaufpunkt auch für schulische und außerschulische Bildung. Sie müssen daher möglichst erhalten werden.

Für den Sekundarbereich wollen wir das Angebot auf zwei gleichwertige und vergleichbar ausgestattete Schularten konzentrieren: Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Bisherige Regionalschulen wollen wir schrittweise zu Gemeinschaftsschulen weiterentwickeln und dafür schulorganisatorische Lösungen finden. Die Eltern können die ihnen für ihre Kinder geeignet erscheinende Schule frei wählen.

Wir werden die Erfahrungen der Profiloberstufe kritisch überprüfen und die Oberstufenreform zu einem differenzierten Kurssystem weiterentwickeln.

Ganztagsschulen für alle

Wir haben ein großes Ziel: Wir wollen schrittweise alle Schulen in Schleswig-Holstein mindestens zu offenen Ganztagsschulen machen. Für den Ausbau der offenen Ganztagsschulen werden wir auch in Zukunft Zuschüsse für Investitionen und für die Angebote bereit stellen. Gerade das Konzept der Ganztagsschule steht für die Öffnung der Schule. Mit viel Kreativität und Kooperationen mit externen Partnern wird die Idee eines offenen Hauses des Lernens und des gesellschaftlichen Zusammenwirkens in den Kommunen umgesetzt. Langfristig ist es unser Ziel, die gebundene Ganztagsschule einzuführen.

Wir wollen weiteren Schulträgern die Möglichkeit geben, ihre Schulen zu gebundenen Ganztagsschulen mit Unterstützung des Landes umzuwandeln. Dies soll vor allem dort erfolgen, wo besonderer Förderbedarf in sozialen Brennpunkten mit hohem Migrantenanteil gegeben ist. Schulische Konzepte mit anderen schülergerechten Lernrhythmen müssen selbstverständlich werden.

Eigenverantwortliche Schule und Qualitätsentwicklung

So stellen wir uns die einzelne Schule der Zukunft vor: Mit einer ungeteilten Verantwortung für den Bildungsgang jedes einzelnen Kindes, mit einem klaren Bildungsprogramm und einem eigenen Schulprofil, mit einer intensiven Zusammenarbeit von Lehrern, Eltern und Schülern und mit einer engen Verbindung zum Stadtteil oder regionalen Umfeld.

Wir wollen den Schulen weitere Spielräume für eigenverantwortliche Entscheidungen bei der Personalauswahl und Budgetbewirtschaftung ermöglichen. Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung sind für uns wichtige Instrumente zur Weiterentwicklung von Unterricht und Schule insgesamt. Dabei wollen wir die Fähigkeit der Schulen zur Selbstevaluation stärken.

Die SPD steht zu dem Prinzip der individuellen Förderung. Wir wollen die Befähigung einer jeden Schülerin und eines jeden Schülers zu selbstverantwortlichem, lebenslangen Lernen und ihre Sozialkompetenz entwickeln. Individuelle Förderung heißt für uns nicht nur besondere Anstrengungen für schwächere Schülerinnen und Schüler, sondern auch spezielle Angebote für besonders begabte Kinder. Wir wollen dabei noch mehr mit externen Partnern kooperieren.

Junge Menschen sollen sich in der Schule engagieren, Demokratie erlernen und mit gestalten. Schülervertretung ist für uns ein zentrales Element von Schule, aber auch für das Heranführen an demokratische Institutionen und gesellschaftliche Mitgestaltung. Viel wird schon gemacht. Wir wünschen uns aber noch mehr Impulse für die demokratische Kultur an unseren Schulen, mit Schulengagements in einem sozialen Projekt und Partnerschaften zu Schulen in der Dritten Welt, mit Debattierclubs zum Wettstreit der Argumente und einem Programm „Kinderdemokratie von der Kindertagesstätte bis zur Grundschule“.

Fremdsprachen sind in einer globalisierten Wissensgesellschaft unabdingbar. Wir werden im Rahmen der Möglichkeiten das Fremdsprachenangebot und bilingualen Unterricht ausbauen sowie die Verzahnung des Englischlernens zwischen Kita, Grundschule und Sekundarschulen verbessern.

Immer mehr Schulen müssen aufgrund von sozialen Veränderungen höhere Integrationsleistungen erbringen. Wir wollen deshalb zusammen mit den Kommunen und der Unterstützung des Bundes das Angebot an sozialpädagogischer Arbeit an Schulen ausweiten und uns daran finanziell beteiligen. Wir fordern den Bund auf, insbesondere die Schulsozialarbeit an den gebundenen Ganztagsschulen finanziell zu unterstützen. Dazu brauchen wir einen „nationalen Bildungspakt“.

Neue Lehrerausbildung und einheitliche Rahmenbedingungen für die Schulen

Die Lehreraus- und -fortbildung muss den veränderten schulischen Strukturen und Anforderungen entsprechend neu gestaltet werden. Leitziele sind dabei insbesondere eine gleichwertige Ausbildung für alle Schularten und Schulstufen und eine Lehramtsstruktur, die in der Perspektive eine gleiche Besoldung vorsieht.

Wir brauchen mehr Lehrerinnen und Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte. Wir wollen den Anteil von Lehramtsstudierenden mit Migrationshintergrund steigern.

In Folge der umgestellten Lehrerausbildung und Lehramtsstruktur werden wir die Unterrichtsverpflichtung in der Sekundarstufe I schrittweise angleichen.

Die Priorität Bildung muss finanziell abgesichert sein. Das gilt auch bei rückläufigen Schülerzahlen, die bis 2020 landesweit voraussichtlich um 20 % zurückgehen werden. Die Zahl der Lehrkräfte in Höhe von 26.000 wollen wir dabei ausdrücklich nicht in gleicher Höhe von 20 % reduzieren, damit insbesondere ein Zugewinn für die Unterrichtsqualität und die Fördermaßnahmen ermöglicht wird.

Gemeinsam lernen – Integration durch Bildung

Alle Kinder und Jugendlichen sind gleich wichtig und wertvoll. Sie haben unabhängig von ihrer ethnischen und sozialen Herkunft, und unabhängig von Behinderungen einen Anspruch auf individuelle und ggf. auch besondere Förderung im Schulsystem. Kinder aus Migrantenfamilien haben das Recht auf Anerkennung ihres besonderen kulturellen Hintergrundes und ihrer Mehrsprachigkeit, ebenso wie auf eine besondere Sprachförderung in Deutsch. Kinder mit Behinderungen verdienen den Respekt vor ihrer Verschiedenheit und ihren persönlichen Lernvorrausetzungen. Sie haben ein großes Bildungspotential. Das müssen wir als Chancen für uns alle erkennen und aufnehmen.

Wir werden die vorschulische Sprachförderung in den Kindertagesstätten und das Angebot einer Sprachintensivförderung (SPRINT) unmittelbar vor der Schule fortsetzen und weiterentwickeln. Die Angebote für Kinder mit Migrationshintergrund werden wir im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) in der Schule ausweiten.

Inklusive Bildung ist ein zentrales Ziel der UN-Menschenrechtskonvention für Menschen mit Behinderungen. Möglichst alle Kinder, auch wenn sie Behinderungen unterschiedlichster Art haben, sollten gemeinsam mit allen anderen Kindern unterrichtet werden. Aktuell haben wir in Schleswig-Holstein eine Quote von integrativ beschulten Kindern von jetzt rund 45 %. Diese wollen wir in einem 10 Jahres-Programm schrittweise auf das europäische Niveau von 85 % erhöhen.

Unser Ziel ist, die Schulabbrecherquote in Schleswig-Holstein bis 2015 mindestens bis auf die Hälfte zu reduzieren. Das erfolgreiche Handlungskonzept „Schule und Arbeitswelt“ in Kooperation zwischen Arbeitsverwaltung, Arbeits- und Bildungsministerium wollen wir auch in der nächsten Legislaturperiode mit Mitteln der EU weiterentwickeln.

Das Zusammenwirken aller Bildungseinrichtungen sowie der Jugendhilfe vor Ort in einer Region wollen wir durch die Entwicklung von Regionalen Bildungslandschaften und mit Mitteln aus einem „Innovationsfonds Bildung“ voranbringen.

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